30 Mrz

Ich so und er so

Bei der Schule des Schreibens, bei der ich eingeschrieben bin, gibt es für die Einsendeaufgaben häufig eine Zeilenbegrenzung von 80 Zeilen. Viele meiner Mitschreiber sehen in dieser Begrenzung eine große Herausforderung. Ich finde die Begrenzung sinnvoll und sehe sie als hervorragende Übung sich auf das Wesentliche zu beschränken. Eine andere Begrenzung gibt es bei 1000Zeichen. Als ich den Blog entdeckte, war ich ganz begeistert. Auf diesem Blog werden nur Texte veröffentlicht, die exakt aus 1000 Zeichen bestehen. Die Überschrift wird nicht mit gezählt, wohl aber Leerzeichen. Ich hatte direkt den Wunsch dort einen Text von mir hinzuschicken. Und am Sonntag war es dann soweit. Dieser erste Text von mir ist bei 1000Zeichen erschienen. Ich bin stolz wie Oskar. Ich veröffentliche ihn hier nun auch, doch ich empfehle Euch wärmstes, dort mal vorbeizuschauen.

Ich so und er so

Ich so neugierig beim Brötchen schmieren: „Sag mal, was bin ich eigentlich für dich?“
Er so irritiert beim Zeitung lesen: „Hä, ist das eine Trickfrage?“
Ich so beharrend beim Salami aufs Brötchen legen: „Ne, sag doch mal? Als was siehst du mich in deinem Leben?“
Er so unwillig beim Schluck Kaffee trinken: „Das ist doch eine Trickfrage. Was willst du denn jetzt von mir hören?“
Ich so genervt beim Kauen: „Willst Du mich nicht verstehen? Das ist doch keine schwere Frage.“
Er so bissig beim Zeitung beiseitelegen: „Ach ja? Was bin ich denn für dich?“
Ich so wütend beim ins Brötchen beißen: „Das ist wieder typisch. Anstatt zu antworten, stellst du mir eine Gegenfrage. Liebst Du mich überhaupt noch?“
Er so ungehalten beim Weggehen: „Typisch ist, dass wir gemütlich beim Frühstück sitzen, und du plötzlich mit so einer tückischen Frage um die Ecke kommst. Du suchst doch förmlich Streit mit mir.“
Ich so fassungslos beim Telefonieren: „Anne? Stell Dir vor. Wir sitzen beim Frühstück und ich so neugierig …“

Herzliche Grüße, Nina

P.S. Nun wisst Ihr auch, was es mit meiner Kategorie 1000 Zeichen auf sich hat. 😉

17 Mrz

Das Bild von Dir

Jeden Monat gibt Dominik auf seinem Blog Neon|Wilderness ein Wort vor, von dem man sich zu einem Text inspirieren lassen kann. Diesen Monat ist es das Wort „Bild“. Und hier kommt mein Text.

Das Bild von Dir

Ich betrachte Dich jeden Tag. Meistens gefällt mir nicht, was ich sehe. Wieviel Kinder hast du bekommen? Eins? Vor sieben Jahren?
Es gibt ja Mütter, die haben drei Kinder und eine Topfigur. So schwierig kann das nicht sein, oder? Ein bisschen Sport, etwas auf die Ernährung achten. Du weißt doch… „Wer schön sein will, muss leiden.“
Und komm´ mir nicht damit, dass keine Frau mit ihrem Aussehen zufrieden ist.
Ja, dir sind deine Figur und dein Aussehen egal. Dir scheint es zu reichen, dass dein Mann dich immer noch attraktiv findet. Dass dein Kind dir sagt, dass du die hübscheste Mama der Welt bist. Dass du viele Freunde hast, die dich um deinetwillen mögen. Die jeden verlorenen Kilo mit dir feiern und jeden dazugewonnen stillschweigend übersehen.
Ja, es stimmt. Es gibt viele Menschen, die dich mit all deinen Eigenschaften und deinem Aussehen lieben. Jetzt möchtest Du wissen, weshalb ich das nicht kann? Ich mag mich, doch ich finde, dass Du, liebes Spiegelbild, einfach nicht zu mir passt.

P.S. Ich habe beschlossen, demnächst einen neuen Blog zu eröffnen, in dem ich die Kategorie „Erzähltes“ verschiebe und erweitere. Dafür wird auf diesem Blog dann ein „Spot“ frei. Ich überlege noch, ob ich ihn frei lasse oder mit einer anderen Kategorie belege. Wann genau ich dazu komme, meine Pläne umzusetzen, weiß ich auch noch nicht. Meine Zeitfenster sind momentan recht eng. Außerdem fehlt mir noch ein passender Name. 😉

Herzliche Grüße, Nina

19 Feb

Abgrundtief

Heute gibt es mal wieder einen literarischen Text von mir. Ich hoffe, er gefällt Euch.

Abgrundtief
Die Flamme des Teelichtes tanzt fröhlich zu Adriano Celentanos „Azzurro“, während Roberto pfeifend den Pizzateig in die Höhe wirbelt. Das Kunstleder quietscht, sobald ich mich bewege.

Es ist unser erstes Date. Seine Haare liegen eng an seinem Kopf. Sie glänzen schwarz und ölig. Ich würde sie gerne mit meinem Finger berühren. Er missversteht meine Geste und ergreift meine Hand. Sein Blick umschlingt mich wie ein Lasso und zieht mich zu ihm heran. Unsere Nasenspitzen berühren sich fast. Er senkt seine Stimme und säuselt: „Deine Augen sind so abgrundtief.“
Ich stehe auf und gehe. Fassungslos. Empört.

„Du spinnst.“, sagt meine Freundin. „Wahrscheinlich wollte er sagen, dass er sich in deinen Augen verliert.“ Inwiefern ist das besser? Ich möchte keinen Freund, der sich verliert oder vor einem Abgrund steht, sobald er in meine Augen schaut. Schwere und Wehmut habe ich hinter mir. Ich will Leichtigkeit, Lachen und Freude. Wenn er in meine Augen schaut, soll für ihn die Sonne aufgehen. Basta.

Dieser literarische Versuch ist ein Beitrag zu [*txt] .